Etna Ausbruch im Mai 2016

Ausbruch des AetnaDer Aetna, einer der interessantesten Vulkane der Erde liegt „nur“ etwa 1200 Km Luftlinie von meinem Wohnort entfernt. Da Ausbrüche oft nur wenige Stunden dauern, braucht es viel Organisation und Glück, rechtzeitig vor Ort zu sein um Bilder der Eruption schiessen zu können.

Ich traf schon einige Male zu früh oder zu spät in Sizilien ein und musste mich mit wenigstens einem guten Essen „trösten“.

Am Dienstag, den 17. Mai stiegen die Messwerte (Tremor) erstmals seit der grossen Eruption im Dezember 2015 deutlich an und am Nordostkrater waren ab Mittwoch stromboliarische Aktivitäten zu sehen. Vieles deutete auf einen baldigen Ausbruch des NO-Kraters hin. In der Nacht auf Donnerstag kam es zum ersten Paroxysmus (Ausbruch). Zur Überraschung der Experten aber nicht am NO-Krater, sondern im Zentralkrater. Diese Episode dauerte knappe vier Stunden.

Ich packte meinen Rucksack. In den nächsten Stunden sollte sich herausstellen, ob es sich möglicherweise um eine Serie von Ausbrüchen oder nur um ein Einzelereignis handelte. Flugmöglichkeiten checken, Meteo Bronte sagte Sturm und sogar Schneefall voraus, dazu schlechte Sicht. Ab Freitag Abend sollte dann wieder sonniges Wetter kommen. Termine organisieren und abwarten. Am 19. Mai Mittags kam der zweite Paroxysmus. Zu sehen gab es in den Webcams am Etna wegen des schlechten Wetters wenig. Aber jetzt war für mich klar: Es könnte eine Serie von Ausbrüchen sein und mit etwas Glück würde es noch weitere Paroxysmen geben.

 Ich buchte den Edelweiss-Flug WK398 für Freitag Abend nach Catania.
Die Nacht auf Freitag verlief ruhig. Der Tremor sank am Freitag. Würde etwa wieder ein ereignisloses Wochenende am Vulkan bevorstehen? Um halb Sechs hob mein Flug ab und überquerte die Alpen bei bester Sicht.
Ich war zuversichtlich, da die Messwerte am Etna wieder angezogen hatten. Mein Mietwagen stand schon am Flughafenausgang bereit und so fuhr ich schon 30 Minuten nach der Landung zum Porto dell’Etna, dem Hafen von Riposto.
Riposto und Etna
Riposto und Etna

Von hier aus hatte ich einen guten Überblick über den Vulkan und die Wettersituation. Die Wolken am Gipfel leuchteten rot, ein gutes Zeichen! Nachdem ich ein paar Bilder vom Etna mit der Hafenstadt im Vordergrund gemacht hatte, ging es nach Zafferana, einem Dorf am Osthang des Vulkans.

Hier versorgte ich mich mit Proviant und fuhr die Mare-Neve Strasse hoch, bis in die Lavafelder über der Ortschaft Milo. Bei früheren Besuchen am Mongibello, wie die Sizilianer ihren Vulkan liebevoll nennen, hatte ich viele mögliche Plätze zur Beobachtung der Krater ausgekundschaftet. So weiss ich immer genau, wo ich bei welchen Wetterverhältnissen und welchen Ausbruchssituationen hinzugehen habe.
Etna mit Vollmond
Etna mit Vollmond

Es gab einen starken, eisigen Wind. Die Gipfelregion war frisch verschneit. Per Smartphone rief ich die neusten Messwerte ab. Nachdem ich unterhalb der Refugio Citelli ein paar Bilder der vom Vollmond erleuchteten Gipfelregion mit ihren Linsenwolken gemacht hatte, legte ich mich für eine gute Stunde schlafen.

Um ca. 2 Uhr vernahm ich ein dumpfes Grollen. Der Vulkan schien zu erwachen! Kurz vor 4 Uhr dann der erhoffte Ausbruch. Wieder war es der Voragine-Krater. Der Himmel rechts des Südostkrater-Kegels färbte sich orangerot und eine dicke Rauchsäule stieg empor.
Ausbruch des Voragine Kraters
Paroxysmus Nr. 3

Die Lava wurde über 300 Meter in die Luft geschleudert und die Asche gegen Catania verfrachtet. Überglücklich darüber, dass es diesmal voll aufging, fotografierte ich was das Zeug hielt. Kurz vor Sonnenaufgang war der Spuk vorbei.

Ich fuhr hoch zur Rifugio Citelli. Nach zwei Cappuccini stieg ich gegen die Serracozzo. Der Wind wehte sehr stark und kalt, die Sicht wurde immer schlechter und Graupel mit Regen setzte ein. Gemäss Wetterbericht sollte es im Verlaufe des Vormittags besser werden. Darum stieg ich immer höher. Oben auf dem Grat war die Sicht gleich Null. Durch den Nebel drang das Fauchen des Voragine-Kraters. Ich stieg völlig durchnässt ab.
Der Tremor des Vulkans war unterdessen wieder auf tiefem Niveau. Es schien, dass ich mit der Eruption am frühen Morgen grosses Glück hatte. Ich beschloss, an die sonnige Küste zu fahren und die nächste Nacht in einem Hotel zu verbringen.
Capo Mulini bei Nacht
Capo Mulini

Am Meer war es angenehm warm und so lag sogar ein Bad drin. Nach der schlaflosen Nacht am Vulkan und einem feinen Essen in Capo Mulini genoss ich das Hotel. Da der Etna ruhig blieb, erkundete ich am Sonntag ein paar tolle Orte rund um den Berg.

Catania und Etna vom Flugzeug aus gesehen
Bye Bye Mongibello

Um 20 Uhr brachte mich der Airbus der Edelweiss wieder zurück in die Schweiz.